Blaue Schwerter werden 300 Jahre alt
Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Dieses Jahr wird das Meissener Porzellan 300 Jahre alt. Das wird nicht nur in der Porzellanstadt selbst gefeiert, sondern auch das Japanische Palais in Dresden widmet dem Porzellan mit den charakteristischen zwei Schwertern Raum und Zeit.
„Triumph der Blauen Schwerter“ ist die erste von zwei Ausstellungen, die sich mit dem weißen Gold beschäftigt. Hier wird vor allem etwas fürs Auge geboten. Verschiedenfarbige Untergründe lassen die Schmuckstücke besonders wertvoll erscheinen. Doch halt – wer jetzt denkt: “Ach Mensch, wieder nur so eine langweilige Ausstellung, in der Töpfe und Vasen quer durcheinander stehen”, der irrt. Hinter den Farben und Vasen steckt nämlich ein Konzept.
Chronologisch wird von den Anfängen an berichtet: Wie kam das Porzellan eigentlich zur Welt? Hatte das nicht mit August dem Starken zu tun…? Richtig! August der Starke nahm 1703 Johann Friedrich Böttger in seinen Dienst. Dieser war eigentlich Apothekerlehrling, hatte jedoch – angeblich – mal Silber in Gold umgewandelt. Schnell interessierte sich der sächsische Kurfürst für ihn und verlangte, er solle ihm Gold herstellen. So begann die Geschichte des weißen Goldes, wie es oft genannt wird.
1710 – also vor 300 Jahren – wurde schließlich die Porzellanmanufaktur in Meißen gegründet.
Nachdem die Anfänge geklärt sind, wendet sich die Ausstellung einem sehr bedeutenden (obwohl heutzutage recht unbekannten Mann) zu: Johann Gregorius Höroldt. Dieser Mann hat viel zum Erfolg des Meissener Porzellans beigetragen. Er revolutionierte die Schmelzfarben und sorgte dafür, dass bald nach der Gründung der Manufaktur das Porzellan in 16 verschiedenen Farben bemalt werden konnte. Es prägte sich sogar ein so genannter „Höroldt-Stil“, der ebenfalls mit vielen Objekten belegt wird. Vor allem asiatische Motive wurden kopiert, später setzten sich immer mehr europäische Bilder durch.
Die Ausstellung zeigt nicht nur Vasen oder Töpfe. Sie erklärt sehr anschaulich die Anfänge des Porzellans, die Stilrichtungen und Motive, die Einflüsse und Abgrenzungen und vor allem kann man hier richtig wissenswertes lernen. Beispielweise wurde erst spät damit begonnen, Tafelservice herzustellen. Anfangs waren diese Systematisierungen des Geschirrs diplomatische Geschenke, die mit dem jeweiligen Landeswappen bedruckt, eine völlig neue Art der Repräsentation für den Beschenkten eröffneten. Und es gab sogar mal ein Tafelservice, das aus 3.000 Teilen bestand (inklusive Kännchen für Essig und Öl)!
Der ein oder andere Besucher ertappt sich zu Hause vielleicht dabei, dass er den Frühstücksteller umdreht und nachsieht, ob dieser nicht doch 2 gekreuzte Schwerter auf der Rückseite hat. Wäre doch toll, ein Stück Geschichte auf dem Tisch liegen zu haben.
Wer jedoch wissen will, wie Porzellan entsteht und wie die zwei Schwerter zu zwei Schwertern wurden, der sollte die zweite Porzellanausstellung besuchen: „Fragmente einer Legende“ ist zwar ein Stockwerk höher, doch die Mühe lohnt sich. Waren unten die perfekt in Szene gesetzten Stücke ausgestellt, finden sich hier oben Scherben und kaputtes Zeugs, was man normalerweise eigentlich nicht ausstellen möchte. Jedoch haben auch diese Teile ihre Berechtigung: Abgesehen davon, dass Porzellan sehr teuer ist und man auch die noch so kleinste Scherbe aufhebt, kommt es hier weniger auf die Objekte an.
Im oberen Stockwerk werden allgemeine Informationen geboten. Woraus besteht Porzellan eigentlich und woher kommen die einzelnen Bestandteile? Wie gelangten sie nach Dresden? Und wie wird so ein Porzellanstück gefertigt? Alle dies wird hier sehr anschaulich erklärt. Auch das niedliche Wort „Muffelbrand“ entpuppt sich nach einem Wandschema als letzter Brand, den das Porzellanstück durchläuft. Doch nicht nur solches Fachwissen wird geboten: Was war wohl zuerst in Europa – Kaffee, Tee oder Kakao? Wer Ersteres dachte: Falsch! Kakao war schon 1528 aus Mexiko zu uns gelangt, Tee 1610 und Kaffee erst 1637. Damit kann man bestimmt auf der nächsten Party prima ein Gespräch beginnen…
Was bleibt von beiden Ausstellungen, außer schöne Vasen und nettes Partywissen? Vielleicht die Erkenntnis, dass es nur ein Genie braucht, das unermüdlich forscht und schon wird eine Neuheit geboren. Gold hat er nicht erfunden, der Herr Böttger, dafür jedoch weißes Gold, dass jetzt weltbekannt ist. Oder aber das Gefühl, dass Scherben doch nicht nur wertloser Abfall sind.
Mehr Infos auf der Website der Ausstellung:
http://www.skdmuseum.de/de/sonderausstellungen/triumph-der-blauen-schwerter/index.html

grad gebloggt: Blaue Schwerter werden 300 Jahre alt: http://tinyurl.com/2bfvaab #dresden
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toller Beitrag … da könnte man doch glatt auf die Idee kommen, die Ausstellung zu besuchen (also für mich als Kunstbanause)
Vielen Dank! Es lohnt sich auf jeden Fall! (auch für Kunstbanausen!)
ja der begrüßungsbeitrag ist ein gelungener start! willkommen bei uns :-)
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