Canaletto reloaded

Wer kennt es nicht, eines der berühmtesten Gemälde über Dresden. Der etwas längere Titel "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" beschreibt genau, worum es hier geht: Der Blick auf die historische Altstadt, gemalt von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. Was jedoch nur wenige wissen: Zurzeit hängt in der Gemäldegalerie Alte Meister nur ein Poster, das Original wird restauriert, sogar von einer "Rettung des Gemäldes" ist die Sprache. Was ist denn da passiert? Seit mittlerweile 1834 ist das Gemälde ein Dauergast im Zwinger. Doch Ausleihen an andere Museen, Umhängen und Transporte beschädigten das wertvolle Stück. Doch "Rettung" naht tatsächlich! Schließlich gibt es nicht umsonst die Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen mit dem tollen Namen "Museis Saxonicis Usui", die seit gut einem Jahr Geld sammeln. Ziel seien 100.000 Euro, mittlerweile sind über zwei Drittel bereits zusammen getragen worden. Mitte 2011 hängt das gute Stück dann wieder an seinem alten Platz. Insgesamt 35 Canalettos hat der Zwinger in seinem Repertoire. Also, wer das nächste Mal in den Alten Meistern ist: Nicht ärgern, dass es nur ein Poster ist, sondern alle anderen 34 Kollegen suchen und ... sich freuen, dass es so etwas Schönes gibt und das es für die Zukunft bewahrt wird! Doch Canaletto ist nicht nur im Museum präsent, sondern soll bald auch den Strassburger Platz unsicher machen. Wie das? Dort soll bald ein "Nahversorgungszentrum" entstehen. Aha. Na Mensch. Wem das jetzt nichts sagt, der soll bitte weiterlesen. Zuerst mal sei das Wort "Nahversorgung" geklärt:
"Für die Bewertung der Nahversorgung ist auch eine Differenzierung nach Betriebsformen (Discounter, Supermärkte, Verbrauchermärkte etc.) wichtig, da unterschiedliche Preissegmente, Sortimentsbreiten und -tiefen sowie -qualitäten angeboten und damit unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden."
(http://www.neuss.de/wirtschaft/einzelhandelskonzept/gutachten-kapitel-12.pdf, 53-Seitiges Gutachten über Nahversorgungszentren) Also auf deutsch: Noch einen Einkaufstempel. Am Strassburger Platz? Muss das denn sein? Einkaufen ist ja schön und gut, aber nach Altmarkt Galerie (die jetzt erweitert wird), Centrumsgalerie (die ja neu ist) und Elbepark (der einfach RIESIG ist) brauchen wir doch nicht noch so ein Ding! Vermisse ich als Einzige die schnuckligen Zeiten der Prager Strasse, als man dort noch richtig durchshoppen konnte, mit Wohltatsche Buchhandlung und allem? Jetzt gibt es dort nur noch Klamottenläden ... Vor ein paar Jahren war die Prager Strasse sogar richtig ausgestorben, weil alle in die Altmarkt Galerie gestürmt sind. Traurig. Aber der Bau scheint beschlossene Sache, gearde wird sich um die Höhe des "Nahversorgungszentrums" gestritten, ob 17 oder 20 Meter. Die Stadt verkommt zur Shoppingmeile! Wer soll denn das alles kaufen??? Naja, wenigstens heißt das Zentrum dann Canaletto Passage. Aber ob sich der Alte Meister darüber gefreut hätte???
anja am 27.10.2010 bisher 8 Kommentare

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8 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. caro   27.10.2010

    Eine Antwort auf die Frage, wer dort einkaufen soll, hätte ich … die Touristen, für die gerade Massen an Hotels gebaut/geplant werden … wirklich schade, dass wir so zugebaut werden (zumal die CentrumGalerie ja nicht wirklich riesigen Erfolg zu verbuchen scheint (mittlerweile der 3. Centrums-Manager???)) …
    An die damalige Prager Zeile kann ich mich kaum noch erinnern … “früher” gab’s doch nur Karstadt und Hertie und die Leute sind auch zurecht gekommen … tja, der Wandel der Zeit … nicht zu stoppen

  2. anja   27.10.2010

    Stimmt, Karstadt und Hertie! Mensch, das war damals noch ein Ereignis mit Oma mal “Rolltreppe” fahren zu gehen. Heute lacht man darüber=)

  3. stefan   27.10.2010

    ich denke es wird zuspruch finden, da dort in der ecke einige ältere bürger wohnen und für die waren des täglichen bedarfs sich kunden in der umgebung begeistern werden. striesen ist ja auch gleich nebenan. und die alternative ist momentan schillergalerie, kaufland oder in die stadt fahren – und die ist an samstagen sicherlich eine zumutung für den schnellen einkauf. aber wir werden sehen :-)

  4. stefan   27.10.2010

    p.s.: ich dachte erst der titel “cabaletto” wäre eine art wortspiel – aber nach durchlesen des beitrags entschied ich mich für die variante “tippfehler” und habe den fehler mal beseitigt ;-)

  5. anja   27.10.2010

    Danke!

  6. derDaniel   28.10.2010

    ich verstehe die Aufregung nicht ganz. Bei diesem “Einkaufstempel” gehts doch meiner Meinung nach nicht um eine Shoppingmall mit H&M und Co, sondern lediglich um ein Nahversorgungszentrum… meiner bescheidenen Meinung nach kommen dort dann also ein großes Edeka, das Konsum wird vielleicht umziehen und vielleicht wird noch ein weiteres Kik in die Pirnaische Vorstadt ziehen. Dann halt noch ein Bäcker mit dazugehörigem Cafe und vielleicht noch eine Eisdiele. das sollte es doch schon fast gewesen sein,oder?

  7. stefan   28.10.2010

    ja eben – am ende wirds nur sowas wie im ehemaligen micktener straßenbahnhof. aber schauen wir mal. apropos schauen: mehr infos gibt es übrigens hier: http://www.florana.info/dresden/–canaletto-passage—23.htm .. nicht zu verwechseln mit florena :-)

  8. Thorhall   09.11.2010

    Könnte doch sowas wie’s Seidnitz-Carree werden!? Das halt ich noch für handlich und überschaubar. Aber für jeden profanen Quatsch die berühmten Namen zu bemühen, finde ich absolut daneben. “Shopi” fänd ich da passender. Aber in Nähe der “Manufaktur” muss es ja wohl was Barockiges sein, auch wenns nur popliger Beton und Glas ist. Schöne neue Einkaufswelt, die langsam Dresden mit einem zähen Guss überzieht.

    Und das sage ich als jemand aus der Nähe von Frankfurt!! An alle: Passt auf Eure Stadt auf!!!

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