„Das ist aber nur eine ganz kleine Sonderausstellung!“

So wird man gleich an der Kasse gewarnt. Schade eigentlich. Vielleicht hält es doch den einen oder anderen Besucher auf, die 3 Euro Normalpreis für die „Schätze aus Sachsens Erde“ zu zahlen. Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, wie es so schön heißt. Das bedeutet hier konkret: Den Hausmannsturm hochsteigen, denn dort ist die Ausstellung. Jedoch bekommt man bei der Gelegenheit auch immer wieder tolle Blicke in den Innenhof des Schlosses, der doch für vieles entschädigt. Oben völlig fertig angekommen, wird erst mal der nächstbeste Stuhl aufgesucht. Gelegenheit, den Einführungstext zu lesen. Sachsen ist ein an Schatzfunden reiches Land! Wer hätte das gedacht? Jedoch ist sicher nicht mehr jeder Fund dokumentiert, weil früher die gefundenen Münzen einfach eingeschmolzen wurden. Die Ausstellung zeigt zehn der wichtigsten und schönsten Münzfunde. Was auf den ersten Blick langweilig aussieht, ist, falls man sich darauf einlässt, richtig spannend. Denn an Hand von Münzen kann man Geschichte erleben! Kriegs- und Krisenzeiten wirken sich ebenso auf das Geldwesen aus, wie Silberbergbau oder Goldmangel. Los geht es mit Münzen aus dem Römischen Reich. Von Kaiser Nero bis Titus sind viele abgebildet. Außerdem sieht man sehr oft zerbrochene Münzen. Brechen Münzen, wenn sie alt werden? Ja, aber trotzdem ist das bei den Bruchstücken nicht auf Grund des Alters der Fall. Vor dem eigentlichen Münzgeld wurde mit zerhackten Münzen als Wertstoffdepot bezahlt. Bitte aber jetzt nicht die Euros zerhacken, denn wir haben längst nicht mehr die Gewichtsgeldwirtschaft, sondern die Münzgeldwirtschaft. Großer Unterschied! Was sind Brakteaten? Das ist eine gute Frage, die an Hand der anschaulichen und gut lesbaren Tafeln erklärt wird. Das Wort Brakteat kommt von bractea = dünnes Blech und stellt eine einseitige Münze aus dünnem Silberblech dar, die meist nur einen Gramm wiegt. Diese wurden ca. 200 Jahre lang im Mitteldeutschen Raum geprägt. Das war jedoch ziemlich umständlich. Mindestens einmal im Jahr gab es eine Währungsreform, die Brakteaten waren dünn, zerbrechlich und leicht, weswegen noch nicht von einer fortschrittlichen Geldwirtschaft gesprochen werden kann. Das ganze hört sich sehr subtil an, ist jedoch richtig interessant. Kultur an Hand von Münzen nachzuempfinden ist eine gute Idee. In Kriegszeiten wurden viele Münzen versteckt und sei es, dass die Leute danach nicht mehr am Leben waren oder einfach den Ort vergessen hatten, so finden sich viele Münzen Jahrhunderte später wieder an. Neben Brakteaten gibt es noch Randpfennige, Otto-Adelheid-Pfennige, Schmuck, Barren (natürlich keine großen!), Prager Groschen, Schildgroschen, Horngroschen, Pfennige, Gulden, Taler, Goldgulden, halbe Gulden… also wer da noch durchsieht, der sage bitte Bescheid. „Hurra“, denkt sich jetzt der ein oder andere. „Auf zum Schätze suchen!“ Schließlich wurden viele Schätze bei Bauarbeiten gefunden. Wer jetzt jedoch nicht sein Haus abreißen kann oder will, der sollte an Wegmarkierungen suchen. Die waren auch beliebt beim Verstecken. Oder einfach an einer Kiesgrube spielen, wie einige Kinder in den 80ern und nebenbei noch einen Schatz finden. Doch diese Hoffnung wird gleich gebremst. Schätze findet man selten, heißt es auf der letzten Tafel. Doch was passiert, wenn man doch mal einen findet? Heimlich einsacken und das Weite suchen? Nichts da! Das Sächsische Denkmalschutzgesetz vom 3.März 1993 im §25 Absatz 1 sagt folgendes: „Bewegliche Kulturdenkmale, die herrenlos oder so lange verborgen gewesen sind, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden mit der Entdeckung Eigentum des Freistaates Sachsen und sind unverzüglich an die zuständige Fachbehörde zu melden und zu übergeben […]“ Der Finder geht jedoch nicht leer aus, denn in Absatz 2 wird von einer angemessenen Belohnung gesprochen. Doch wo genau melden? Eigentlich beim Landesamt für Archäologie in Dresden. Ist das gerade nicht griffbereit, ist das keine Ausrede! Denn auch beim Münzkabinett, örtlichen Museen oder auch Gemeindeämtern kann der Fund gemeldet werden. Am Ende haben wir viel gelernt. Nicht nur über Taler und Denkmalschutzgesetze, sondern darüber, dass manchmal man Geld nicht einfach irgendwo verstecken sollte, sonst findet es ein anderer. Deswegen gleich seinen Namen an das Geld ranschreiben, falls nötig, sonst denken die Leute, das ist herrenlos, und dann ist es weg und wird irgendwo ausgestellt! Die Ausstellung ist noch bis 1.November im Hausmannsturm zu sehen. Normal 3 Euro, Ermäßigt 2 Euro. http://www.skd.museum/de/sonderausstellungen/schaetze-aus-sachsens-erde/index.html
anja am 13.08.2010 bisher 2 Kommentare

2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. styleDD   13.08.2010

    grad gebloggt: „ Das ist aber nur eine ganz kleine Sonderausstellung!“: http://tinyurl.com/2fc4mt6 #dresden

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  2. muenzenfreundin   13.08.2010

    „Das ist aber nur eine ganz kleine Sonderausstellung!“ http://bit.ly/dfDfny

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