Die Deutschen haben auch etwas zu bieten!
anja am 16.08.2010 bisher 4 Kommentare

Beim Begriff „Impressionismus“ stellt sich der Kunstfreund sofort ein buntes, getüpfeltes Bild vor. So weit, so gut. Wer noch etwas versierter ist, denkt sich, dass das Wort französisch klingt und verbindet vor allem die Helden Monet, Manet und Goya damit. Auch richtig, schließlich verbreitete sich die Stilrichtung von Frankreich aus in die Welt. Doch nur an unsere Nachbarn zu denken, wäre zu wenig. Auch die Deutschen waren mit von der Partie, was die Ausstellung „Lichtspur durch Deutschland“ zeigt.

Impressionismus, das fällt sofort auf, stellt vor allem eine heile Welt dar. In den drei Themen­bereichen der Ausstellung „In der Natur“, „In der Stadt“ und „Auf dem Land“, wird das deutlich. Blühende Kastanien stehen neben Bauern, die sich von der Feldarbeit ausruhen. Elend, Armut und Angst sind hier weit entfernt. Die Impressionisten wollten Sinneseindrücke direkt wiedergeben, die Bilder sind hell und freundlich und selbst der schwer arbeitende Bauer scheint zu lächeln. Fern jeder Sozialkritik werden Stadt- und Landleben gezeigt, man sucht nach Harmonie.

Etwas verwirrend scheint die Ausstellung im Stadtmuseum konzipiert. Mancher Text kann erst gelesen werden, wenn die Bilder zu ihm schon angeschaut wurden. Aha, hier ging es um Natur. Das stört aber nicht, eher bereichert es die individuelle Wahrnehmung. Man muss nicht immer stur nach den Texten gehen, sondern kann sich zuerst selbst ein Bild machen und dann im Text Hintergrund­informationen finden.

Erstaunlich sind die zwei Aktbilder, die zuerst nicht so richtig zur Harmonie und heilen Welt passen wollen. Einmal ist „Weiblicher Rückenakt“ von Slevogt zu nennen und zum anderen, an der gleichen Wand, „Eine Frau am Waschtisch“ von Lovis Corinth. An beiden Bildern fällt sofort die Natürlichkeit der Frauen auf. Hier werden keine superschlanken Models präsentiert, sondern etwas fülligere, dafür jedoch sehr weibliche Frauenakte. Spätestens an diesen beiden Bildern wird deutlich: Man suchte (und fand!) im Impressionismus nach Ursprünglichkeit. Fern von Romantik oder Klassik möchte der Impressionismus den Moment festhalten und wiedergeben, nicht verklären oder verschnörkeln.

Wer die Werke von Manet und Co. kennt, wird auch in dieser Ausstellung voll auf seine Kosten kommen. Slevogt, Liebermann, Corinth und viele mehr sorgen für Impressionen aus deutscher Sicht und der Erkenntnis, dass man nicht Franzose sein muss, um diese Stilrichtung mitzugehen.

Was man von dieser Ausstellung mitnimmt ist nicht die Begriffsdefinition, sind keine französischen Helden oder Motive, sondern ist das Bewusstsein, dass der Moment einzigartig ist. Und schön. Und das er es verdient, genossen zu werden.

Mehr Informationen: www.galerie-dresden.de

Die Ausstellung „Lichtspur durch Deutschland“ ist für 3 Euro im Stadtmuseum Dresden bis zum 12. September zu sehen.

4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. stefan   16.08.2010

    Leider nimmt man sich in unserer heutigen Zeit viel zu wenig Zeit für solche bleibenden Schätze. Wie war denn die Ausstellung so besucht?

    • anja   17.08.2010

      Naja, wenn ich sage “schlecht” untertreibe ich noch. Ist auch von Nachteil, dass sie kurz vor dem Aufgang des Hausmannsturm liegt, da denken sich viele “Aha, Münzen” und gehen weiter auf den Hausmannsturm…schade!

      • stefan   17.08.2010

        reden wir vom gleichen Beitrag? ;-)
        aber ich dachte, die Münzen liegen oben rum? Weil du was von “oben” und “im Turm” geschrieben hattest?

        • anja   17.08.2010

          Genau, “oben” heißt, dass es nur noch wenige Stufen bis zur Aussichtsplattform sind. Und da wird die meist übergangen.

          Aber die Impressionismus-Ausstellung war sehr gut besucht. Das Stadtmuseum macht auch ordentlich Werbung dafür=)

Eine Meinung, Frage oder Anmerkung dazu?
Wir freuen uns sehr über deinen Kommentar!

deine E-Mail oder Website angeben? (optional)