Die Dinos sind los!

Imposant stehen die blauen Wagen auf der Cockerwiese. Nicht wenige Menschen haben sich hierher eingefunden, was sicher auch an der zahlreichen Werbung in der ganzen Stadt liegen dürfte. Viele Kinder sind mit ihren Eltern gekommen. Schon am ersten Wagen brechen einige in Tränen aus und müssen beruhigt werden, dass die Dinos nicht echt sind. Für Kinder scheinen sie jedoch zu leben, da sie den Kopf bewegen und Geräusche von sich geben. Nach dem Eingang kann das erste Zelt betreten werden. Hier kommt die Geldmaschinerie voll zur Geltung:  Zuckerwatte, Süßigkeiten und Gummidinos können hier erworben werden. Bewaffnet mit diesen Utensilien lassen sich sicher einige Tränen trocknen und weitere  Dinos anschauen. Grundsätzlich werden die Dinos in großen Anhängern und in einem Zelt präsentiert. Ohne Glasscheibe können die Urzeittiere beobachtet werden. Meist bewegen sie sich nicht, außer im ersten Wagen. Einige wenige Dinos stehen frei und können beklettert und fotografiert werden. Nun zur Kritik. Das Ganze ist ja recht nett, zumindest für Kinder. Allen ab 14 Jahren wird jedoch sehr schnell langweilig. Die Geräusche der Dinos ähneln einem Rülpsen gepaart mit Löwengebrüll. Kein Wunder, dass der ein oder andere kleine Besucher Angst bekommt. Die Wagen sind eine gute Idee. Klappe runter und man sieht Dinos. Jedoch ist auch der fehlende Platz ein großes Hindernis. Dinos sind bzw. waren sehr groß, so dass die meisten nur verkleinert dargestellt werden können. Da geht oft der „Aha, so groß waren die!“-Effekt verloren. Ein prägnantes Beispiel ist das Urkrokodil, welches riesig gewesen sein soll, hier jedoch nur in den Maßen eines normalen Krokos gezeigt wird. Da denkt sich doch das eine oder andere Kind: „Aha, ein Krokodil. Kann ich auch im Zoo sehen“. Das ist schade! Sicherlich kann man nicht alle 20 m langen Echsen originalgetreu zeigen. Manche werden deshalb auch zusammengeschraubt, da die Dinos aus Kunststoff bestehen. Sei es durch viele Ausstellungen oder durch die Witterung: Einige Urzeittiere sehen stark in Mitleidenschaft genommen aus. Da ist hier ein Stück Schwanz abgebrochen oder da ein bisschen Farbe abgesplittert. Das macht den Echtheitseffekt schnell wieder zunichte. Ein großer Kritikpunkt ist allgemein die Aufmachung. Da werden Dinos mit buntem Licht beleuchtet, sodass der ein oder andere einen grünen Bauch oder ein lilafarbenes Maul hat. Schnell stellt sich die Frage: was soll das? Ein Dino mit grünem Bauch? Sicher soll es nett aussehen und die Kinder beeindrucken, es wirkt jedoch einfach nur billig gemacht. Zu Beginn der Ausstellung hatte man viele Äste und Zweige so drapiert, dass man nicht unbedingt das blaue Zelt im Hintergrund sehen muss. Der Dino wirkt ja auch echter, wenn hinter ihm ein Busch oder ähnliches hängt. Schöne Idee, die jedoch bereits nach vier Tagen ohne Wasser verwelkt und trocken aussieht. Schade. Die Krönung sind jedoch die künstlichen Pflanzen, die in den Wagen stehen. In Blumentöpfen! Wer bitte erklärt den Kindern, dass es damals noch keine Blumentöpfe gab?! Es soll eine lehrreiche Dinoausstellung sein. Lehrreich sind auf jeden Fall die Beschreibungen. Das ist ein Triceratops, der ist verwandt mit dem und wird so und so groß. Toll. Kurz, prägnant, gut. Was aber sollen die zusätzlichen Wände, die aussehen, als wären es ellenlange Beschreibungen, die aus einem Lehrbuch kopiert wurden?! Das sieht einfach nur billig aus. Außerdem liest sich das niemand durch. Die Wagen sind teilweise sehr hoch. Für einen Erwachsenen kein Problem, ist es für Kinder doch sehr nervig, ständig Mama oder Papa zu fragen, ob man denn hochgenommen werden kann. Doch es gibt nicht nur Kritik. An einem schönen Sommertag, wenn ganze Familien die Ausstellung besuchen, kommt so ein bisschen Volksfestathmosphäre auf. Campingstühle zum Sitzen unter freiem Himmel – manche sitzen auch auf dem Rasen – Zuckerwatte und Plastiksaurier. Hier kann man durchaus auch mehrere Stunden verweilen, denn es gibt viel zu entdecken. Kindern ist es schnurz, welcher Saurier nun wann und wie gelebt hat. Sie erfreuen sich an den liebevollen farblichen Gestaltungen. Vergleiche mit dem Saurierpark in Kleinwelka werden laut, wo die Tiere zwar in Originalgröße zu sehen sind, dafür jedoch nicht bemalt wurden. Fraglich ist sicherlich der Lerneffekt. Was hat die Ausstellung gebracht (abgesehen von einem Plastiktier mehr zu Hause)? Viele Kinder stellen gleich den Vergleich zur eigenen Sammlung an („Den habe ich auch!“) und freuen sich, Tiere wieder zu erkennen. Auch für die Phantasie ist diese Ausstellung  was. Da hat ein Saurier einen Knubbelschwanz; für Kinder ist es spannend, sich zu überlegen, was er damit alles machen kann, ohne ellenlange Beschreibungen zu lesen. Vielleicht muss es doch aber nicht immer Wissen bringen.  Jung und alt stehen zusammen und schauen sich Saurier an. Generationen von Menschen sind fasziniert von Tieren, die vor Millionen von Jahren lebten. Und einen gemütlichen Nachmittag bringt es auf jeden Fall. Die "Internationale Dinosaurier Ausstellung" ist noch bis zum 29. August auf der Cockerwiese (Nähe Hygienemuseum) zu sehen, 10-18 Uhr. Eintritt: Erwachsene: 7 Euro, Kinder: 6 Euro

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