Zeitenströmung-Silvester: Entschuldigung, Beschuldigung und andere Ungereimtheiten

Das war ja ein turbulenter Start ins neue Blog-Jahr. Nachdem ich letzten Sonntag anhand der Internet-Meinungen zur Silvesterfeier in der Zeitenströmung Dresden ahnte, dass da einiges nicht gut gelaufen ist, hatte ich die Sache mal kommentierend zusammengefasst. Es kam wie vermutet: Das Thema schlug und schlägt Wellen. Vor allem durch Social Media wie Facebook konnte die Kritik gebündelt werden und erreichte auch die lokale Tagespresse (sowohl Online als auch Print). Selbst heute zum Samstag berichtet sz-online "Silvester-Ärger: Anonyme Rückgabe von Jacken möglich". Als Ergänzung ist auch der Blog-Beitrag von Herrn "Owy" erwähnenswert - da geht es um die kritische Auseinandersetzung mit der Berichterstattung. Nun ist seit zwei Tagen eine Stellungnahme seitens des Veranstalters Terminal 1 GmbH in Interviewform auf BILD.de nachzulesen. Zunächst wollte ich mich eigentlich zurückhalten - doch ich habe mich zu sehr in die Sache reingedacht und muss einfach meine Gedanken nochmal niederschreiben. Der Vollständigkeit halber noch einmal: Ich war nicht auf der Veranstaltung zu Gast. Und ich bin auch kein Partyveranstalter. Ich interpretiere die Sache einfach mit meinem gesunden Menschenverstand. Ich möchte hier nicht nachtreten oder ähnliches - ich möchte (und das war auch die Intention meines ersten Artikels) dazu beitragen, dass in unserer Stadt gutes Partymanagement geleistet wird und so etwas in der Form nicht wieder vorkommt. Hier nun meine Anmerkungen zum Interview:
  • Begonnen wird mit einem Foto des Betriebsleiters des Veranstalters Terminal 1 GmbH, Uwe Michel, vor dem Wasserfall der Zeitenströmung. Eingepackt in dicker Daunenjacke - das sehen sicher die Leute gern, denen die Joppe abhanden kam und die bei Eiseskälte im Nicki dastanden. Respektabel finde ich allerdings, dass er der Veranstaltung sein Gesicht gibt.
  • "Alles zum Nulltarif funktioniert nicht." - was er damit genau meint, ist mir unerklärlich - vielleicht die Garderobe, die 2 Euro extra gekostet hat bei einer All-inclusive-Veranstaltung?
  • "Im Preis inklusive war eine Party in mehreren riesigen Hallen mit unzähligen DJs, Künstlern und Show-Acts, einer Laser-Show (Anlage kostet über 100.000 Euro)" Vielleicht war es einfach eine Nummer zu riesig und unzählig? Und wen kann man denn bitte noch mit einer Laser-Show hinterm Ofen vorlocken? Ich weiß nicht, was dieses Huntertausend-Euro-Gerät für den Abend kostet - aber vielleicht wäre das Geld ja in ein paar hübschen zusätzlichen Garderobenständern besser investiert gewesen.
  • "Durch den Rückstau an der Garderobe, den wir versucht haben mit zusätzlichen Service-Kräften aufzulösen" Zu Silvester ist es sicherlich schwieriger als sonst, ausreichend Personal zu finden. Das weiß man auch nicht erst einen Tag vorher. Trotzdem wurden 4.000 Tickets verkauft. Wieso wurden dann aber bis zum Schluss und an der Abendkasse noch Tickets für teuer Geld verkauft und dem Besucherstrom kein Ende gesetzt? Ernsthafte Frage.
  • "Leider waren einige Kräfte auch nicht professionell genug um mit dem Druck fertig zu werden." die anderen...
  • "Da einige Gäste diesmal nach dem Motto "kostet ja nichts" bis zu 40 (!) Getränke gleichzeitig bestellten" - klingt ja fast so, als ob die Party nichts gekostet hätte. Außerdem waren Gäste teilweise mit über 20(!) Freunden dort - logisch, dass man - wenn man eine Stunde frustriert ansteht - für diese gleich mitbestellt.
  • "Wir haben pro Kopf fast die vierfache Menge ausgeschenkt" Das ist natürlich eine Meisterleistung bei "Faktor Barkraft pro Gast wie alle Jahre zuvor" und "Dies war unsere vierte All-Inklusiv-Party in dieser Größenordnung." - da soll sich bitte jeder sein eigenen Reim machen.
  • "Wir hatten mehr Toiletten als Vorschrift und ein extra Team was sich nur darum gekümmert hat vor Ort." das hätte ich gern mal in Zahlen gesehen - und wenn für 4.000 Gäste ein extra Team für die Toiletten im Einsatz ist, sollte das eigentlich nicht extra erwähnenswert sein. Warum die Toiletten allerdings mit langen Warteschlangen und unhygienischen Zuständen beschrieben wurde, bleibt er dem Leser schuldig.
  • "So kommt man gar nicht mehr drum rum, eine Party mit Worten wie Mega, Super, Spektakulär, etc. anzukündigen, ohne unterzugehen." Wenn man das nötig hat und nichts anderes in die Waagschale werfen kann, ist das natürlich schade. Aber wenn die Leute drauf stehen, ist dem Veranstalter auch kein Vorwurf zu machen.
  • "Teure Digitalkameras in den Taschen verschollener Jacken etc." Das ist allerdings wirklich eine Sauerei. Hier würde ich mich auch auf keine Diskussionen einlassen. Es ist schließlich eine Garderobe und keine Pfandleihe. Schon der gesunde Geist lässt mich keine Wertgegenstände oder Schlüssel in einer Jacke, die inmitten von Tausenden hängt, zurücklassen.
Und: Vielleicht habe ich es überlesen - aber eine Entschuldigung im eigentlichen Sinne konnte ich garnicht erkennen.

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